Umbau einer HB Fusion II in ein RZK burnt + distressed - Design


Die Grundlage für die zweite Umgestaltung in eine RZK-I bzw. RZK-II "burnt + distressed" ist eine Harley Benton Fusion II.

Warum diese Gitarre? Harley Benton hat sich in den letzten Jahren im Bereich der affordable guitars etabliert. Preis/Leistung und Qualität stimmen in der Regel sehr, Ausreißer sind nicht seltener oder häufiger als bei den großen Marken. Ursprünglich ca. 450€ wählte ich für meine Idee einen B-Stock Rückläufer für 350€. Was sollte schon schiefgehen? Lackschäden waren mir egal, der sollte ja so oder so ab. Bei möglichen anderen Schäden, die evtl. die Spielbarkeit beeinflussen, wäre eine Rücksendung ja immer noch möglich.
Bis auf einen kleinen Lackplatzer und einigen Gebrauchsspuren an der Rückseite war sie jedoch tadellos.

Die damals recht neu erschienene Fusion II verfügt über einen geschraubten roasted maple neck und ein roasted Riegelahorngriffbrett. Soweit so interessant.
Ein Floyd Rose 1000 ist auch mit dabei und somit ein Hauptkaufsargument: Alle RZKs verfügen über FR-Systeme. Nicht, dass sie benutzt würden, sondern im Sinne des Gefühls.
Also eine Gitarre für 350€ zum experimentellen Umgestalten mit Floyd Rose? Bedeutet: Es müssten dann eigentlich nur die Pickups ausgetauscht werden. Nicht, dass ich jemals schlechte Erfahrungen mit den bei Harley Benton verbauten Pickups hätte - Roswell hat bisher stets in den Punkten Sound und Qualität überzeugt.
Aber was wäre denn das für eine Nachempfindung einer Kruspe-Gitarre, wenn diese nicht über EMG81 oder aktiven Fishman verfügen würde?

Demontiert

In Einzelteile zerlegt

Fast tat es mir dann doch leid, die Gitarre auseinander zu nehmen. Immerhin war das "Trans Flamed Blue Burst"-Finish recht hübsch. Immerhin weiß ich, dass ich wohl nie eine nicht B-Stock-Gitarre umarbeiten könnte!

Abgeschliffen und markiert

Geschliffen und gezeichnet

Auf zum Exzenterschleifer. Das Zwischenergebnis wirkt wie eine frosted-Version der ursprünglichen Farbe der Fusion II. Hat auch was. Egal, wir haben ja ein Ziel!
Wie bereits bei der Epiphone SG folgen nach dem Anschleifen die Markierungen der zukünftigen Furchen. Auch hier kommt wieder der Dremel zum Einsatz.

Rot lackiert und Knete angebracht

Lackieren und Kneten

Nach der Grundierung und der ersten Lackierung in Rot werden auch diese Furchen wieder mit Knete verklebt und anschließend mit einem Schaubenzieher "ausgefranst".

Furchen mit Knete gefüllt

Fertig geknetet

Nach einer gewissen Zeit - natürlich akustisch durch diverse Flüche untermalt - kann sich das Ergebnis sehen lassen.

Weiß lackieren

Bereit für das Weiß!

Im nächsten Schritt folgt eine Lackierung in Weiß. Jedesmal, wenn sich die Farbverhältnisse auf dem Projekt verändern, hat das Einfluss auf die Wirkung des Korpus.

Entfernung der Knete

Freilegung der Furchen

Der für mich immer noch entspannendste Teil besteht aus dem Entfernen der Knete. Wie bereits bei der Epiphone SG hat das abpuhlen eine hypnotische Wirkung. Man kennt das ja. Es ist wie eine Luftpolsterfolie, nur gitarriger. Wieder die Erkenntnis: Ein reines Weiß mit knallroten Streifen ist auch schick! Es ist offensichtlich nicht sehr einfach, eine Gitarre zu entstellen und ihr das Prädikat "hässlich" zu verleihen.

Angefackelt und lackiert

Burnt + Distressed - fertig!

Nach dem geduldsintensiven Zukneten der Furchen und dem entspannenden Freiknibbeln folgt nun der aufregendste Teil:
Der mit dem Feuer!
Für einige vielleicht der befremdlichste Teil. Für mich nicht viel befremdlicher als die anderen, immerhin ist dies mein erst mein 2. Projekt dieser Art! Bilder dazu gibt's bei der Epiphone SG. Diesmal traute ich mich, die Flamme etwas länger an die Gitarre zu halten. Nach einem fleischigen Rosa kommt ein lehmiges Braun. Toll! Aber nicht in der Konzentration nachlassen, ab und an muss man dann nämlich doch den Lack mal kurz wieder auspusten.
Hält man zu lange drauf, geht der Lack irgendwann dann doch ab. Ist mir hier auch an einem klitzekleinen Stückchen passiert, ein bisschen UHU-Kleber und das Malheur ist nicht mehr sichtbar. Unter einigen Schichten Klarlack ist das dann ohnehin egal.

Und: Das Original ist mit Papier beklebt und darauf ausgelegt, dass immer mal ein bisschen abbröselt.
It's a feature, not a bug!