Umbau einer Epiphone SG in ein RZK burnt + distressed - Design


Man kennt es: Irgendwann trifft man auf eine Gitarre, die nicht einfach nur schön ist. Die nicht einfach nur glänzt oder edel matt ein Augenschmaus ist.
Irgendwann findet man die Gitarre, die einen optisch in den Bann zieht. Die das gewisse Extra hat.
So erging es mir mit der Signature Gitarre des Emigrate-Kopfes und Rammstein Lead-Gitarristen Richard Z. Kruspe: Die ESP RZK I burnt + distressed. Einge Gitarre, die durch ihre roten, wie blutige Kratzer anmutenden Furchen und den Brandspuren ein ganz eigenes Design hat. Wunderschön, zumindest in meinen Augen!

Komplettiert wird diese optische Vollkommenheit durch die Form: Sie ist alles und nichts. Manche sehen Danelectro Gitarren darin, vielleicht, vielleicht auch nicht. Sie hat die Grundidee einer Stratform, den Bauch einer SG, irgendwie alles, aber auch doch sehr eigen. Dies fiel mir auf, als ich den Korpus für meinen ersten RZK-Nachbau mit selbstgesägtem Korpus anfertigte.
Für mich ist sie perfekt: Sie hat alles einer Strat, was ich mag, und das, was ich nicht mag - hat sie auch nicht! Ha! sie ist nicht übermäßig in die länge gezogen und stellt sich gegen den Trend der immer längeren und und spitzeren Hörnchen der "Super-Strats". Die perfekte Form für mich!

Allerdings schlagen die beiden derzeit verfügbaren RZK-Signatures mit jeweils 2800€ zu Buche. Das ist ein Wort - für die einen mehr, für die anderen weniger. Für manche gerade mal im mittleren Preisbereich.
Ich habe jedoch dieses Geld für ein reines Hobbyprojekt nun gerade nicht übrig.

Vielleicht kann man es selbst nachbauen? Zu meiner Überraschung: ja, kann man! Auf youtube gibt's sogar eine Videoanleitung. An dieser habe ich mich orientiert.
Also schnappte ich mir für mein Vorhaben eine meiner Gitarren. Zwischen uns war der Funke nie so richtig übergesprungen.

Demontiert + geschliffen

Hals ab, Hardware ab, Lack ab!

Als erstes musste der Lack weichen - nicht komplett allerdings, ein Anschleifen genügt. Der erste Versuch erfolgte mit einem Heißluftgebläse. Funktionierte eigentlich gut, hätte aber evtl. eine erneuge Grundierung des Holzes erfolderlich gemacht. Durch den Griff zu einem Exzenterschleifer kann man sich diesen Schritt sparen.

Angezeichnet

Zukünftige Furchen markieren

Die Original RZKs von ESP sind mit Papier beklebt, das anschließend angeflammt wird. Für die Papiervariante fand ich jedoch keine überzeugende Anleitung und direkt kopflos wollte ich auch nicht loslegen.

Im Video wird ein anderer Weg gegangen: Das Dremeln der Furchen, direkt ins Holz. Das ist sicherlich eine andere Herangehensweise, sollte aber eigentlich die Aussage und den Gedanken hinter dem Design nicht verändern. Das kann Herr Kruspe allerdings nur selbst entscheiden.

Also den alten Dremel auspacken und los gehts.

Gedremelt

Dremeln, Dremeln, Dremeln

Der Titel sagt es eigentlich schon. Dremeln, bis man einen Krampf in der Hand hat.

Rot lackiert

Rot!

Nach dem Dremeln erfolgt die erste Lackierung in rot. Vor allem die Furchen bekommen dadurch ihre wichtige Farbe. Für ein gleichmäßiges Ergebnis wurde der komplette Korpus rot lackiert - bzw. in meinem Fall die komplette Vorderseite. Wobei die Sache mit dem gleichmäßigen Ergebnis ja eher ein Schuss ins Blaue war, man weiß ja noch nicht beim ersten Mal, wie sich die Lackschichten unter der Flamme verhalten.

Furchen verkleben

Zeit zum Kneten.

Die Videoanleitung empfiehlt Pattex. Da ich mir nicht sicher war, ob Pattex sich auch wieder entfernen lässt, griff ich ersteinmal zur Knete. Ganz normale Knete. Es ist ein wenig fummelig, aber doch gut machbar.
Nach dem groben Eindrücken in die Furchen entfernte ich die überstehende Knete mit einem Schraubenzieher. Langsam, Stück für Stück.

Vorteil: die Furchen erhalten einen etwas ausgefranzten und unregelmäßigen Rand.

Übrigens, etwas vorgegriffen: Die Verwendung der Knete hat auch später beim Brennen einen Vorteil. Da man sie nicht wirklich komplett rückstandslos entfernen kann und immer kleine Fitzelchen an den Rändern kleben bleiben, verbrennen diese ein wenig dunkler. Ein schöner Krusteneffekt!

Weiß lackieren

Einmal Weiß, bitte!

Sobald die Knete drauf ist, wird der Korpus weiß lackiert.

Angefackelt und lackiert

Burnt + Distressed - fertig!

Danach geht es direkt in die heiße Phase: Die Lötlampe kommt zum Einsatz.

Es ist ein Lernprozess, wie lange man die Flamme an eine Stelle halten muss. Geduld und Mut zahlen sich aus, nach einem fleischigen Rosa folgt ein lehmiges Braun.
Zu guter letzt noch Klarlack drüber, dann ist der Korpus auch schon bereit, wieder eine Gitarre zu werden.

Feuer frei!

Burnt + Distressed - fertig!

Auf dem Grill sieht man Gitarren eher selten. Aber auch da geben sie eine gute Figur ab.

Getreu dem Motto: "Feuer frei"

BANG! BANG!